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Der Goldberg

25.03.2013 „Hundred Shilling, imagine!“ Elisabeth blickt verzweifelt und mit großen Augen in die Kamera. „But what can we do, we have to do something to get something small. Somehow we have to survive!“ Ihre Kinder sitzen in den besten Kleidern neben ihr, die Hände im Schoß gefaltet, der Blick voller Hoffnung. Noch nie haben sie europäische Gäste in ihrer kleinen Hütte empfangen, ein besonderer Tag in ihrem Leben.

Elisabeth arbeitet seit über einem Jahr in der Goldmine. Wie viele Menschen ist sie aus einem anderen Landesteil Kenias nach Lolgorien gekommen, in der Hoffnung in den Goldminen das große Geld machen zu können. Sieben Tage in der Woche zerschlägt sie nun mit einem Hammer die Steine, die Gold beinhalten. „Its really hard work.“ Das glauben wir ihr, nachdem wir ihr einige Zeit über die Schulter geschaut haben. Das große Geld hält sie bis heute nicht in den Händen.

Je nach Arbeitsbereich verdienen die Minenarbeiter unterschiedliches Geld. Die Männer, die ihre Tage überwiegend bis zu 70 Meter tief im Erdreich verbringen, lieben ihren Job, denn an manchen Tagen meint Gott es gut mit ihnen und sie bringen ertragreiches Steingut an die Oberfläche. Bis zu 10.000 Ksh können sie dann mit nach Hause nehmen. Doch diese Tage gibt es leider nicht so oft und so gehen auch diese wirklich risikoreichen Arbeitsplätze oftmals nur mit einem Gehalt nach Haue, welches für das Nötigste ausreicht.

“Tuberkulose ist ein großes Problem“ erzählt uns Michael Nyaoke vom Research and Development Center in Rongo. Die Minenarbeiter verbringen mehrere Stunden am Tag mit bis zu 20 anderen Männern im Erdreich, ohne Ventilation und zusätzlicher Sauerstoffversorgung. „Wenn einer erkrankt ist, breitet sich die Krankheit relativ schnell auf die Arbeitskollegen aus.“ Häufig hören auch Außenstehende Geschichten von Minenarbeitern, die lebendig begraben wurden. „Die Menschen gehen ohne jeglicher Schutzausrüstung in die tiefen Höhlen, insbesondere in der Regenzeit fallen die schlecht abgesicherten Minen in sich zusammen und die Arbeiter haben keine Überlebenschance.“

Der gerade mal 18 jährige Kenneth strahlt uns an: „Whenever i go down, i pray before.“ Na klar hat er Angst in den dunklen, feuchten Minen, die er mit einer Taschenlampe oder gar mit Kerosinlampen nach ertragreichen Steinen absucht. Doch die Angst hielt ihn nicht davon ab, mit 15 Jahren die Schule zu verlassen und in der Mine zu arbeiten. Insgesamt, so schätzen die SOS Kinderdörfer, gehen rund 15.000 Kinder im südwestlichen Kenia aufgrund des Goldabbaus nicht zur Schule. Einige, weil sie dort Arbeit finden und noch viele mehr, da sie die Aufgaben ihrer in den Minen arbeitenden Eltern zu Hause übernehmen und auf ihre Geschwister aufpassen, Wäsche waschen und die Tiere hüten.

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