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Ugandas Palmöl

08.05.2013 Wenn es Abend wird in Kampala, verwandeln sich die Straßenseiten der ugandischen Hauptstadt zu kilometerlangen Essenspromenaden. Überall werden kleine Holzkohleöfen und Grills herausgeholt, auf denen in Töpfen und Pfannen auf heißer Flamme Chapatis, eine Pfannkuchenähnliche Speise, Hühnchen und Pommes gebraten, gegrillt und frittiert werden. Alle Speisen sind fetttriefend und neben jedem Stand steht ein immer gleichaussehender 10 bis 20 Liter Speiseölkanister, aus dem fröhlich nachgekippt wird. Diese Speiseöle sind fester Bestandteil der lokalen Küche, in Supermärkten füllen sie ganze Regalwände.

Doch die Öle, die von hoher Bedeutung für die Ernährungssicherheit sind, müssen zu großen Teilen aus dem Ausland importiert werden, da es nur wenig Flächen in dem afrikanischen Land gibt, auf denen Sonnenblumen, der klassischen Ausgangspflanze, angebaut werden. Zudem fehlt es auch an entsprechender Verarbeitungsindustrie.

Um diesem Problem entgegenzugehen, wurden von Regierungsvertretern bereits 1995 erste Strategien und mögliche Allianzpartner gesucht. Der Kernansatz lag schon damals in der Kultivierung von Palmenöl, einer eigenen Palmengattung, die murmelgroße, dunkelrot glänzende Früchte trägt. Presst man diese aus, erhält man ein Öl, dass sich sowohl zu Speiseölen als auch als Treibstoffträger, Stichwort E10, verarbeiten lässt. Ursprünglich stammt die Palmensorte aus Westafrika, wurde aber durch Agrarforscher stark weiterentwickelt und insbesondere in großem Maßstab in Indonesien angepflanzt. Den Verantwortlichen in den Ministerien schwebte ein in der Dimension ähnlicher Anbau wie in dem asiatischen Land vor, in dem ganze Landstriche komplett umkultiviert werden sollten. Und somit lag der erste Partner auf der Hand – Wilmar, der wohl weltgrößte Palmenölproduzent sollte auch in Uganda die Handelsgeschäfte übernehmen.

In Uganda tritt Wilmar unter dem Namen Bidco auf. Der Konzern bringt zum einen sämtliches Wissen in die Partnerschaft ein und stellt andererseits wesentliche Ressourcen bereit. Dies sind insbesondere die Setzlinge der Pflanzen, die Fabrik zum Auspressen der Frucht, die auf dem Festland in Jinja gelegene Raffinerie und die benötigten Düngemittel. Als Austausch für sein Engagement wurde Bidco vonseiten der ugandischen Regierung eine Gesamtfläche von 26.500ha versprochen, von denen bereits 6.500ha auf der Bugala Insel übergeben wurden.

Diese Insel, die die Provinzhauptstadt Kalangala beheimatet, war vor Projektbeginn noch ein abgeschiedenes Tropenparadies von rund 30.000 Hektar im Victoriasee, die inmitten der Sesse-Inselgruppe liegt. Der Name ist auf eine Plage der TseTse-Fliege im ausklingenden 19ten Jahrhundert zurückzuführen, aufgrund derer nahezu die gesamte Inselbevölkerung auf das Festland ausgewandert ist. Auch deswegen war die Insel nur relativ dünn besiedelt und zeichnete sich durch einen bemerkenswerten dichten Regenwald aus, der unzählige Vogelarten beheimatete und fast das gesamte Land bedeckte. Zu riesigen Teilen wurde dieser einmalige Lebensraum inzwischen abgeholzt; ordentlich reihen sich nun Palmen in Reih und Glied. Für Bidco arbeiten hier nun 1500 Arbeiter.

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